Suchtberatung § 16a Nr. 4 SGBII

Hintergründe oder auch Folgen der Erwerbslosigkeit von Menschen liegen oft in einer psychisch oder physisch begründeten chronischen Erkrankung. Kränkungen, Enttäuschungen und fehlende Wertschätzungen haben diese Menschen zudem geprägt. Dann ist der übermäßige Konsum von Alkohol, illegalen Drogen und Medikamenten zur Kompensation von Belastungen nicht selten.

Die zieloffene und selbstbestimmte Suchtberatung stellt die Erfahrungen, Wünsche und Potenziale des Menschen in den Vordergrund und appelliert an seine Mündigkeit, Entscheidungen fällen und Ziele benennen zu können, mit denen er sich identifiziert.

Zunächst werden belastende Lebensumstände, das Suchtverhalten und die eigenen Ressourcen zur Stabilisierung/Entspannung erkundet. Danach werden der individuelle Unterstützungsbedarf bestimmt und erste Ziele benannt. Der-/Diejenige entscheidet selbst, ob Konsumreduzierung durch Konsumkontrolle oder Abstinenz angestrebt wird.

Basis für diese Entscheidung ist z. B. die Selbstanalyse durch die Vier-Felder-Matrix, eine Form des Bilanzierens, um das Für und Wider von Veränderungsprozessen zu erhellen. Den weiteren zielorientierten Beratungsverlauf können u. a. folgende Inhalte prägen:

  •     Dokumentation der Konsummenge und der Umstände des Konsums
  •     Evtl. Erstellen eines Konsumplans zur Reduzierung, um konsumfreie Zeiten durchhalten, Rückschläge bewältigen zu können
  •     Veränderungsmotivation und Zuversicht stärken/Suche nach Alternativen zum Konsum, Entspannung, Betätigung
  •     Wochenstruktur entwickeln, aktive Grundhaltung fördern
  •     Soziale Kontakte entwickeln/ausbauen, Unterstützung durch das Umfeld annehmen
  •     Vermitteln in tagesstrukturierende Maßnahmen
  •     Evtl. Vermitteln von Fachärzten, Aufnahme auf einer Entgiftungsstation
  •     Konfliktberatung und Krisenintervention
  •     Grundlagen für Beschäftigung erkunden
Das Ziel ist es, wenn möglich, lange Beratungszeiten zu vermeiden und vor allem die Autonomie des betroffenen Menschen zu stärken.